Tag Archives: schwarze Szene

M’era Luna 2025 – Ein Viertel Jahrhundert das Festival für die schwarze Seele

11 Aug

25 Jahre – und immer noch kein bisschen leise. Die Veranstalter FKP Scorpio wissen, wie man große Events an den Start bringt. Im Fall vom M’era Luna, das Festival für die Schwarze Szene, bereits seit einem Viertel Jahrhundert. Die Vorfreude ist bei vielen der 25.000 Gäste pro Tag so groß, dass sie möglichst früh anreisen, um den besten Platz auf dem Campingplatz zu ergattern.

Offiziell geht es allerdings am Freitag, den 08.08.2025 mit dem beliebten Crypt Talk mit Chris Harms (Lord Of The Lost) & Stephan Thanscheid (Veranstalter) im Flugzeughangar so richtig los, bis es dann für Chris und Co. auf die Main Stage ging und für viele danach ab 23.00 Uhr in die erste Disconacht. „Dark Heart Of The Moon“ das Motto der 25-Jahres-Sause durfte live nicht fehlen. 

„Petrus ist ein Goth“, was für manch einen wie Gotteslästerung klingt, war noch nie auf dem Wacken. Denn jeder der dort bis tief in die Kniekehlen im Schlamm versunken war, konnte sich nur über den Sonnenschein dieses ganze Wochenende über freuen. Auch wenn viele bekanntermaßen den Schatten bevorzugen. Ansonsten war auch 2025 alles wie sonst auf dem Flugplatz in Hildesheim-Drispenstedt: Zwei Open-Air Stages, Mittelaltermarkt, Marktzeile, Fashion Shows, Lesungen im Hangar, Make-Up-Workshops im Stylingzelt und jede Menge Platz, um zu chillen, zu sitzen und die Möglichkeit, das Festival barrierefrei zu nutzen.

Die einzige Neuigkeit, die vielen Kommentaren zufolge allerdings eher negativ aufgestoßen ist, war das VIP-Cave: Wer es sich leisten konnte & wollte, hatte hier die Gelegenheit, für viel Geld „über die Dinge“ zu blicken. Die Idee kennt man zwar von anderen Szenen, kam aber in der schwarzen Gesellschaft nicht so wirklich an, denn „zwei Klassen“ wünschen sich die Wenigsten. Für alle Daheimgebliebenen war Arte Concert wieder vor Ort, um die besten Konzerteindrücke einzufangen, den besten Überblick gab es sowieso wieder von ihrem Bus. Löblich: Das kostenlose Trinkwasser für alle und die Zusammenarbeit mit Viva Con Aqua, die sich weltweit für Brunnenprojekte einsetzen.

Unser Samstag war geprägt, sich gezielt Elektro-Bands, wie Chrom, Samsas Traum und Faderhead anzuschauen und das besonders entspannte Festivaltreiben zu beobachten. Unsere musikalischen Highlights, wie so oft „der goldene Reiter“ & „Rübezahl“ himself Joachim Witt, getoppt von Heilung, die für eine bis dato nie dagewesene, mystische Atmosphäre sorgten. Ob man einen Zugang zu dieser „düsteren Messe“ hat, bleibt jedem selbst überlassen, wir waren hellauf begeistert!

Ausgeschlafen und relativ fit ging es für uns ab mittags in den „heiligen Sonntag“. Schattenmann, die wir um 12.20 Uhr auf der Main Stage verpasst hatten, trafen wir dann zur Autogrammstunde am Sonic Seducer-Stand. Die Jungs, die sich gerade neu, aber nicht fremd mit mehr Metal denn je, präsentieren, machen neugierig auf die Entgegner Tour 2026! Ansonsten war die Hauptbühne zeitweise die Stage der mittelalterlichen Klänge mit Versengold & Subway To Sally. Die blutrünstige Blutengel-Show kannten wir bereits aus den Vorjahren, uns war mehr nach Club zumute. Tanzbar war es nebenan durchgängig mit Rotersand, In Strict Confidence und De/Vision. Uns haute das französische EBM-Projekt Sierra Veins von der ersten bis zur letzten Minute aus den Festivalboots. Kurz vor der Abreise wurden wir dann noch durch And One, unser drittes Highlight, in die Zeit kurz vor Eröffnung der Mauer zurück katapultiert. Altbekannte Klänge und provokante Texte, der Synthie-Pop-Band, mit Betonung auf „aus Ost-Berlin“. Selten und sicherlich einzigartig in 2025, für die Silberhochzeit von M’era Luna allerdings ein Volltreffer! 

Schon einmal notieren:

Plage Noire: 14. – 15.11.2025.

M’era Luna 08. – 09.08.2026.

Sonnenfrau

Fotogalerie: https://flic.kr/s/aHBqjCqrUc

Super Schwarzes Glühen im JunkYard Dortmund

23 Jun

Extrem staubige Schuhe, gebräunte Haut und ein Lächeln im Gesicht, das sind die Überbleibsel des Super Schwarzen Festivals. Es ist das Ende eines superheißen Tages im JunkYard Dortmund. Nicht ungewöhnlich, denn heute am Samstag, 21.06.2025 ist Sommeranfang. Nachdem die letzten Festivals eher ins Wasser gefallen sind, eine willkommene Abwechslung. Allerdings hätten es, anstatt über 30 Grad Celsius im Schatten, zehn Grad weniger auch getan. Speziell für die Anhänger der schwarzen Szene ist dies eine enorme Herausforderung.

An dem Besucher-Erfolg vom letzten Jahr konnten die Veranstalter aus Mannheim leider nicht anknüpfen. Zu speziell war das Line-Up, vielen fehlte der rote Faden, die Marschrichtung der Bands. Aber die, die da waren, haben super schwarz mitgeglüht. Das Festival startete um kurz nach 14 Uhr mit dem Elektro-Projekt Monya, gegründet von der polnischen Künstlerin aus Berlin. Gefolgt von Maschinenkrieger KR52, ein Industrial-Act aus Riesa / Dresden. Hammerharte Klänge in der prallen Mittagssonne.

Die meisten Besucher nutzen diese Aufwärmphase, um sich am Imbiss und den Getränkeständen zu erfrischen. Weiter ging es mit ICD-10. Die dritte Band in Folge von HANDS. Die Künstler des ortsansässigen Labels von Udo Wiessmann waren stark vertreten. Abends auf der Aftershowparty legt der HANDS-Head selbst Hand an die Regler. Tagsüber präsentierte sich die Crew mit Merchandiseartikeln am eigenen Stand. Unser persönliches Highlight auf allen Ebenen folgte mit Blackbook.

Die Mischung aus Futurepop und Darkwave hat es uns nicht zugelassen, auch nur eine Minute nicht auf der Tanzfläche zu verweilen. Die Jungs waren hart im Nehmen mit ihrer speziellen Maske und nutzten den Moment, ihre aktuelle Single „Addicted“ dem Publikum zu präsentieren. Nach einer kleinen Verschnaufpause und einer Session mit Freunden in der Fotobox ging es zurück in den Staub. Future Lied To Us versprühten zu zweit Optimismus und gaben alles, vor allem Hoffnung und das kam gut an. Diary Of Dreams bescherten dem super schwarzen Festival einen romantisch-würdigen Abschluss auf der großen Open-Air Bühne in der untergehenden Sonne.

Ab 22 Uhr lockten drei Floors, die Nacht weiter zum Tag zu machen, ob im Postpunk-Bus, dem Elektro-Floor oder dem Main-Floor mit zwei Tänzerinnen, es wurde super schwarz weitergefeiert.

Sonnenfrau

M’era Luna 2023 – Vom Regen ins Licht

15 Aug

IMG_3328Dunkel, schwarz und düster – diese Komponenten ziehen die 25.000 M’era Luna-Anhänger aus der ganzen Welt frühzeitig zum zweiten August-Wochenende ins eher beschauliche Hildesheim. Denn am Flughafen Drispenstedt passiert einmal im Jahr etwas Mystisches, Magisches und diese Sprache verstehen nur diejenigen, die sich von dieser besonderen Musik angezogen fühlen und sich mit Gleichgesinnten verbinden wollen.

Es ist Samstagnachmittag, 12.08.2023 und ein kräftiger Regenschauer zieht über das Infield. Wir haben uns untergestellt, riechen den warmen Sommerregen, hören die Sounds der verschiedenen Bereiche und halten kurz inne. Ja, es ist wieder soweit, das größte Gothic-Festival ist im vollen Gang und wir mittendrin! Die ersten Gäste reisten früh an, um die besten Plätze auf dem Campingplatz zu sichern und Freitagabend, pünktlich zum Sonnenuntergang, durchzustarten. Ob bei Tanz auf dem (Mittelalter-) Markt, den diversen Lesungen im Hangar, den Talk mit Stephan Thanscheidt von FKP Scorpio und Lord Of The Lost-Head Chris Harms, die erste Nacht endete in der Disco und anschließend im Bett, ob im Zelt, Camper, Gothic Garden oder Hotel.

IMG_3323So unterschiedlich die Bedürfnisse sind, so viele Möglichkeiten gibt es, sich sein persönliches Festivalerlebnis zusammenzustellen. Der Veranstalter sorgt für bestmögliche Barrierefreiheit.
Unser Highlight hatten wir bereits ab 13.15 Uhr, als schwarze & blonde, langhaarige Mähnen die zweite Stage enterten: Wisborg. Vier Jungs mit einem gewissen Charme, jenseits der Kommerzschiene. Diese Attitüde catchte und war uns insgesamt zu wenig vertreten. Genau so, wie wir immer noch dem alten Hangar, anstatt dem weiteren Open-Air-Floor, hinterhertrauern. Ja, ja, die „gute alte Zeit“. Eine Leier, die wir nicht zu sehr mit Leben füllen wollen. Dafür ist die Dankbarkeit viel zu groß, nach der Corona-Krise, ein solches Festival wieder erleben zu dürfen. Die Energiekrise hinterlässt auch hier ihre Spuren und zwingt alle dazu, wesentlich tiefer in die Tasche zu greifen. Aber speziell die gastronomischen Angebote und die Getränkepreise waren jenseits von Gut und Böse. Glücklicherweise gab es nach wie vor gratis Trinkwasser. Weitere Aktionen, bei denen weiter gedacht wurde: Die Foodsharing-Möglichkeit, das Müllkonzept und der Awarness-Code „Panama“, um für eine höchstmögliche Sicherheit zu sorgen. Auch das Styling-Zelt mit dem Make-Up-Workshop ist nicht selbstverständlich. Gerne mehr Schritte in diese Richtung!

IMG_3342Das M’era Luna steht für „Sehen und Gesehenwerden“. Sich zeigen in seiner Pracht. Nein, das sind keine Kostüme, sondern ist eine Lebenseinstellung und eine Plattform, um sich mit anderen auszutauschen und sich selbst zu präsentieren. Nicht nur einer Modenschau zuzuschauen, sondern ein Teil davon zu sein, im Real Life, anstatt Social Media. Das Smartphone konnte man getrost in der Tasche lassen. Bis auf ein paar Erinnerungsbilder zu schießen, war es für Verabredungen nicht zu gebrauchen. Über Stunden funktionierte an beiden Tagen der Empfang nicht. Für die einen das große Manko, für die anderen eine willkommene Möglichkeit, den Moment zu genießen. Die festivaleigene App war dann wohl eher für die Zeit davor oder danach gedacht.

Zurück zum Hauptbestandteil: Die Schwarze Musik in allen Facetten. Das diesjährige M’era Luna-Maskottchen mit seinen sechs Armen zeigt die Vielfältigkeit der Musikstile. Gothic-Dark-Rock, Neue Deutsche Härte, Metal, Elektro-Industrial, Mittelalter, Synthie-Pop, uvm. Verständlicherweise wird beim Line-Up auf die großen Namen gesetzt, die leider schon mehr als bekannt sind, aber dafür sorgen, dass so ein Festival überhaupt auf die Beine gestellt werden kann. So ist es für Newcomer oft schwer, sich durchzusetzen oder die alten Hasen sind zu undergroundig für die breite Masse.

IMG_3356Vom arte concert Wagen hoch hinaus verfolgen wir den Auftritt von Joachim Witt, der ein gutes Beispiel eines Künstlers einer bewegten Vergangenheit ist, der sich bis ins hohe Alter weiterentwickelt und neu erfindet. Der Mix aus alt und neu macht es aus!
Wolken mit Regenschauern ziehen auf, als wir bei Solar Fake erneut Unterschlupf unter dem riesigen, weißen Zeltdach suchen. Jetzt fehlte nur noch, dass Sänger Sven Friedrich „Be My Rain“ anstimmt, für eine mehr als kuschelige und absolut authentische Zeraphine-Stimmung.
Den Held unserer Jugend und Überbleibsel der Gruppe HIM, Ville Valo, kurz VV, macht den Abschluss auf der Open-Air-Stage. Alle können ihn miterleben, im Gegensatz zu den Jahren zuvor, fährt der letzte Shuttle-Bus erst um ein Uhr. Eine große Verbesserung!

Der Sonntag entpuppt sich als der Festivaltag: vom Regen ins Sonnenlicht. Um die Zeit, in der andere sonntags vom Gottesdienst kommen, bahnt sich der M’era Luna-Gänger den Weg auf das Gelände. Lydia Benecke hält bereits einen Vortrag im Disco Hangar. Um 12.55 Uhr finden wir uns bei She Hates Emotions wieder. Das ist doch Chris Pohl von Blutengel, bzw. sein zweites Ego, unter dessen Pseudonym er mit gleichem Gesang und Attitüde polarisiert.
Zeitgleich machen Gothminister auf der Mainstage nebenan die letzten müden Gemüter hellwach mit hartem Metal und einer Portion schwarzem Humor. Vielen steckt der erste Festivaltag noch im Knochengerüst und chillen auf mitgebrachten Handtüchern.
Traditionell sorgt Sonic Seducer wieder für einen großen Andrang am Stand. Neben den aktuellen Ausgaben und diversen Merchandiseartikeln tummeln sich dort die Stars der Szene und es bilden sich lange, tumulthafte Schlangen, um ein Autogramm vom Lieblingskünstler zu ergattern.

IMG_3359Unser Gipfel sind The 69 Eyes. Für solche Bands, die bereits seit 1989 auf der Bühne stehen und eine Dark-Rock-Institution sind, darf keiner in den vorderen Reihen sitzen bleiben. Oft ist es für die Künstler nicht einfach, das spezielle Publikum zum Abgehen zu bewegen, aber hier geht es nicht anderes. Rock on!
Man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am Schönsten ist, also ab geht es für den perfekten Ausklang bei Peter Heppners sanftem und eindringlichem Gesang.

Die nächsten Termine aus dem Hause FKP Scorpio für nächstes Jahr:

Plage Noire verschoben auf November: 29. – 30.11.2024 und M’era Luna 10. – 11.08.2024.

Sonnenfrau

Fotogalerie: https://flic.kr/s/aHBqjAR5y7

M’era Luna 2023 – Das größte Gothic-Festival Europas

2 Jul

Die Vorfreude steigt: Vom 12.-13. August wird der Flugplatz in Hildesheim-Drispenstedt wieder schwarz verhüllt. 25.000 internationale Gäste und 36 Acts auf zwei Bühnen sorgen für alle Gothic-Freunde für das Festival-Highlight des Jahres.

Ob im Gothic-Garden oder auf dem Campingplatz, nachts tauchen die Fledermäuse in ihre Schlafsäcke, um bei Tagesanbruch wieder aus ihren Löchern zu kriechen.

Zu spektakulär ist das Line-Up, da will man (männlich, weiblich & divers) nichts verpassen. Für viele ist z.B. Ville Valo, der ehemalige Sänger von HIM, der Jugendschwarm, der den Weg in die Szene geebnet hat.

Headliner sind Samstag:

VV, In Extremo, Project Pitchfork, Joachim Witt, London After Midnight, L’Âme Immortelle, Solar Fake, Diary of Dreams, Megaherz, Tanzwut, The Cassandra Complex.

Auch dabei sind Samstag:

Amduscia, Neuroticfish, Rabia Sorda, Absolute Body Control, Rave The Reqviem, Wisborg, Versus Goliath, A Projection, Intent:Outtake.

Headliner sind Sonntag:

Within Temptation, Fields Of The Nephilim, Subway To Sally, Peter Heppner, Hocico, De/Vision, Letzte Instanz, Agonoize, Frozen Plasma, Eisfabrik, She Hates Emotions, Heldmaschine. 

Auch dabei sind Sonntag:

The 69 Eyes, Gothminister, Ashbury Heights, Melotron, Manntra, Blitz Union.

Für die After-Parties und mehr geht es wieder ab in dem Hangar. 

Sonic Seducer ist traditionell mit einem Stand am Start und wird die Besucher mit Ausgaben, Merchandiseartikeln, Aufklebern versorgen und die Stars & Sternchen für Autogrammstunden ranholen. 

Weitere Infos zu Tickets, Anreisemöglichkeiten etc. auf der offiziellen Festival-Webseite:

www.meraluna.de

Nacht | Hell wird wie gewohnt vor Ort berichten.

See U In Outer Space!

Sonnenfrau

(Fotonachweis: Christoph Eisenmenger)

Flug in den Fledermausbau– Minicave, Triptychon, 2022

26 Sept

 

IMG_0629Klein, aber fein: Von Donnerstag, 22.09. bis Samstag, 24.09. nisteten sich internationale Bands im Triptychon in Münster, ein. Der Begriff Minicave steht für ein Festival für Eingeweihte, die jenseits der Massen unter Gleichgesinnten Death Rock, Post Punk, Minimal, Batcave und New Wave live erleben wollen.

Das Schema war an allen drei aufeinanderfolgenden Abenden gleich: Erst performten die Künstler auf der Bühne, anschließend wurde auf der Aftershowparty mit DJs die Nacht gefeiert. IMG_0626

Am Samstag eröffnete Brigitte Handley den Fledermausbau, gefolgt La Boum Brute und Tilly Electronics.

IMG_0631Nach den Gigs gab es die Möglichkeit für ein Stelldichein am Merchandisestand mit einer speziellen Auswahl an T-Shirts, Vinyls, Bags, Pins und vieles mehr. In der überschaubaren, abgerockten Location war es ein Leichtes, stets den Überblick zu behalten.

IMG_0634Dieser Festivaltag war für Veranstalterin Nina Door etwas ganz Besonderes, denn sie hatte Geburtstag. An ihrem Kuchen im Minicave-Design ließ sie alle Gäste teilhaben. Insgesamt war alles sehr ungezwungen, viele Gesichter kannte man noch vom Fledermaustreffen auf Burg Vondern (Nacht | Hell berichtete).

Etwas verspätet, dafür aber länger, sorgten Undertheskin für reale Postpunk-Momente auf das Wesentliche reduziert. IMG_0642Den Schluss spielte Wisborg mit dem charismatischen Sänger Konstantin Michaely, der u.a. auch für das Musikmagazin Sonic Seducer schreibt, modernen  Goth-Rock mit viel Gefühl.

Die Aftershowparty rockten Yggdrasil, Cavey Nik + Gianfranco.

Sonnenfrau

 

Minicave – die Partyreihe von Nina und Friedi –stets ein spannender Landeplatz für alle Gothics.  https://www.facebook.com/minicavegefaelltmir

Heimkommen ins Paralleluniversum– M’era Luna 2022

13 Aug

IMG_0094Der Stockholmer Sänger Alex Svenson der Post-Punk-Band „Then Comes Silence“, fegt mit einer gewissen Coolness über die neue Open- Air-Stage. An seiner Seite die Gitarristen Hugo Zombie und Mattias Ruejas Jonson, unterstützt von Drummer Jonas Fransson. Es ist Sonntagmittag, 07. August 2022, kurz nach 12 Uhr und wir sind auf dem Gothic-Festival schlechthin: Dem M’era Luna am Fluplatz in Hildesheim. Der erste Festivaltag steckt uns noch in den Knochen.IMG_0177

Die düstere Art und die rhythmischen Bewegungen der Schweden haben es uns angetan. Im strahlenden Sonnenschein wollen wir mit dabei sein. Bald geht es für die Jungs auf US-Tour, aber dieser Auftritt ist etwas ganz besonders. So, wie Alex` weißes Outfit. Schnell füllt sich der Bereich vor der Bühne. Der „Insider“-Floor ist umgezogen, vom Hangar nach draußen. Nach zwei Pandemie-Jahren eine Wohltat, endlich zurück zu sein und an der frischen Luft einigermaßen coronakonform zu feiern.

Kommando zurück auf Samstagmittag: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich´s sein“ – M. Maniatis nach J.W. Von Goethe, das ist das Gefühl für so viele. Auf dem M’era Luna wird Diversität seit über zwanzig Jahren Raum gegeben. Und das nicht nur auf sexueller Hinsicht, es geht darum, sich in einem geschützen Rahmen auszuleben und so zu sein, wie es Vielen der Alltag leider oft nicht ermöglicht. Bereits seit gestern konnten die Zelte aufgeschlagen und in der Disko in den ersten Festivaltag reingefeiert werden.
Der Sensenmann begrüßt die Besucher traditionell im Teich am Eingang. Ja, dieses Bild kennen wir und für einen kurzen Moment ist es so, nie weggewesen zu sein. Das Musikmagazin Sonic Seducer hat einen neuen Platz am Eingang der Mainstage und sich vergrößert. Hier befindet sich das Meet & Greet der Szene bei den Autogrammstunden.

IMG_0109Es ist 13.40 Uhr und eine Neue-Deutsche-Härte-Band entert die Mainstage. Grüner Nebel steigt empor, dabei kann es sich nur um Schattenmann handeln! Von Anfang bis Ende ist der Nachholbedarf bei den Franken und Fans zu spüren, ausgehungert performen Sänger Frank Herzig, Gitarrist Jan Suk, Bassist Luke Shook und Nils Kinzig an den Drums mit spektakulärer Feuershow. „Leute, habt mehr Sex!“, mit einem Augenzwinkern und in Hinblick auf die aktuelle politische Situation wird dazu aufgerufen, mehr Liebe zu machen.

Die Musik ist der wichtigste Bestandteil des Events, aber hier passiert so viel mehr. Schwarze Luftballons steigen gen Himmel und wir blicken auf das diesjährige Plakat: Ein zartes Mädchen im hellen Kleid hat ihr Schaukelpferd verlassen und geht los…

Auch für uns gibt es noch so viel zu entdecken: Einmal am Rad drehen bei Killstar, der Fashionmarke für „Occult Luxery“ und Give-Aways, wie Patches, Beutel und mehr abstauben. Es geht aber nicht nur ums Konsumieren. Die Schwarze Szene ist dafür bekannt, über den Tellerrand hinauszuschauen und sich mit ernsten Lebensthemen auseinanderzusetzen. Wir begrüßen die diversen Aktionsstände u.a. mit Festivalbändchen mit Aussagekraft gegen eine kleine Spende, wie „Kein Bock auf Nazis“ oder „Love One – Love All“ der Tierrechtsorganisation PETA Zwei.

IMG_E0157Arte Concert überträgt, neben den Lokalsendern, die Gigs für alle Daheimgebliebenen und als Erinnerung, zeitversetzt. Auf dem Bus der Arte Summer Tour gibt es einen spektakulären Blick über das gesamte Gelände. Um hier Zutritt zu erlangen müssen knifflige Fragen zum Sender beantwortet werden. Als Andenken wird ein Polaroidbild vom Fotoshooting mit E-Gitarre ausgehändigt.

Wie gewohnt wählen wir aus einer ordentlichen Essens- und Getränkeauswahl, mit der Neuerung teilweise mit Kreditkarte zu bezahlen. Die Preise wurden insgesamt ordentlich angezogen, aber nicht anders, als woanders. Hingucker sind „Mummus und Lümmels“ am Stil beim Vulva & Penis-Waffelstand und das Schwarze Eis.

IMG_0176Für die Besucher steht auf dem kompletten Festival gratis Trinkwasser zur Verfügung. Viele Menschen träumen noch davon. Für „Wasser für alle“ setzt sich die gemeinnützige Organisation Viva Con Agua seit Jahren ein. Es ist ein heikles Thema, noch immer haben 489 Mio. Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Mit Märschen durch die Masse wird dazu aufgerufen, den Pfand in die Tonnen zu werfen. Beim Gang auf die Komposttoiletten „Goldeimer“ werden mit dem eingenommenen Geld sanitäre Anlagen in Drittländern aufgebaut. Diese Thematik greift Lord Of The Lost– Sänger Chris Harms auf und bittet um Becherspenden. An diesem warmen Tag ist das klassische Ensemble eine willkommene Abwechslung, so zart hört man die Globalplayer nicht oft, war die Dark-Rock-Band erst die Vorgruppe von Iron Maiden in 16 Ländern auf 18 Konzerten.

IMG_0095Es ist eine gute Idee von Alpin, spezielle Musik-Ohrenstöpsel anzubieten. Des einen Freud, ist es anderen Leid, so oder so ähnlich kann man den Auftritt von Blutengel beschreiben. Für die einen ist Sänger Chris Pohl der „Michael Wendler der Gothic-Szene“, für die anderen großes Vorbild und Idol. Fakt ist, dass Blutengel wieder eine sexy Show bieten mit diversen Gegensätzen von Engel und Teufel, die kunstblutüberströmten Tänzerinnen geben alles und supporten ihn als Meister.

Unser musikalisches Highlight war wie erwartet Nizzer Ebb und so tanzen wir dem zweiten Festivaltag entgegen, an dem es mit weiteren Klassik-Einlagen weitergeht.

VNV Nations Gig ist outstanding und berührt die Anwesenden tief. Da kullert auch schon mal das eine oder andere Tränchen. Momente, die man selbst erlebt haben muss! Somit schließen wir die Berichterstattung über die Bands und regen dringend dazu an, das Smartphone öfters mal in der Tasche zu lassen und sich selbst einen Einblick zu machen. Neben einem der größten Mittelaltermärkte Europas lockt auch immer wieder die M’era Luna Academy und viel, viel mehr.
Seid nächstes Mal dabei, wenn 25.000 Menschen friedlich ihr Universum auf der „anderen Seite“ besuchen. Wir fühlen uns bei FKP Scorpio in den besten Händen!
Die Termine 2023: Plage Noire 28. – 29. April und M’era Luna 12. – 13. August

Sonnenfrau

Fotogalerie: https://flic.kr/s/aHBqjA2N9s

1. Fledermaustreffen – Insider auf Burg Vondern, Oberhausen

10 Jul

IMG_E9681

Still Patient? performen Samstag am frühen Abend auf der kleinen Bühne, eingerahmt von Schlosstürmen und ca. 200 Gästen, die das Wochenende vom 08. bis 10.07.2022 zu ihrem Insidertreff der Schwarzen Szene gemacht haben. Die Fledermäuse flatterten nicht nur aus dem ganzen Ruhrgebiet nach Oberhausen in die Burg Vondern, auch ein paar internationale Besucher waren durch die Künstler dabei.

„Wir sind Lord Of The Lost“ scherzte Sänger Andy Koa der Gothik/Dark Rock-Band. Genau das war aber nicht gefordert, denn die Anwesenden schätzen hier nicht auf Kommerz zu stoßen, sondern endlich mal wieder unter sich zu sein.

Insgesamt war die Atmosphäre sehr entspannt und unaufgeregt. Sobald das Burgtor durchschritten wurde, gelangte man auf den Burghof mit Konzertbereich, Getränkestand und einem Biergarten mit Fledermausimbiss. Das Batcave-Gefühl zog sich im Inneren der Burg weiter mit diversen Merchandiseständen.

IMG_9685In frecher Rotzgörenmanier enterte Pop-Punkerin Insa Knapp mit ihren Jungs von New Days Delay die Stage und erklärte, dass sie körperlich noch unter Nachwirkungen aus Leipzig litt. Das merkte ihr aber niemand an. Der Bereich vor der Bühne wurde nun zur Tanzfläche, die später auch von der Sängerin selbst geentert wurde.
IMG_9691Nach diesem Highlight kam das Minicave-Team rund um Nina Door auf das Podium, um allen zu danken. In liebevoller Kleinstarbeit wurden hunderte Fledermäuse gebastelt, dekoriert und dafür gesorgt, dass Gäste auch im Zelt auf der Wiese vor der Burg campen können. Insgesamt wurde von Freitag bis Sonntag ein besonderes Programm auf die Beine gestellt, neben Parties gab es auch Lesungen. Dies war ein Startschuss. Selbst wenn zukünftig doppelt so viele kommen würden, bliebe der Geist des Festivals erhalten. Denn das Ganze muss auch erst einmal gestemmt werden. Dafür Respekt!

IMG_9696Auch Frank Vollmann zückte seinen Zylinder, der mit seiner Frank The Baptist Crew aus dem kalifornischen San Diego, USA für einen würdigen Abschluss im Open-Air-Bereich sorgte. Den letzten Song widmeten sie dem Russischen Überfall auf die Ukraine und zeigten, dass Krieg nie eine Lösung sein kann.
Nach diesem bewegten Moment war es Zeit, etwas durchzuschnaufen, abseits der Großstadt. Eine mystische Abendstimmung hatte sich mittlerweile entwickelt, nach diesem doch noch sonnigen Tag.

IMG_9704Weiter ging es hinter Glasscheiben in einem gemütlichen Raum zur Abschlussparty mit dem Dark Skies Over Witten bekannten DJ Carsten und den Hamburgern Goto Hell & Reklovski u.a. mit Vinyls und bekanntem Undergroundsound.

Sonnenfrau

IMG_9698Das nächste Treffen der Fledermäuse steht schon in den Startlöchern:

E-tropolis Festival 2021: Abtauchen ins Schwarze

14 Nov

 

IMG_7532Hände hoch, spüren, wie die Bässe durch den Körper vibrieren und den Moment feiern, das war das E-tropolis 2021! Am Samstag, 13.11. ab 14:00 Uhr konnte das altbewährte Indoor-Festival in der Turbinenhalle endlich, seit Beginn der Pandemie im März 2020, nachgeholt werden.

Die Sehnsucht danach stand den Mitgliedern der Schwarzen Musikszene ins Gesicht geschrieben. Aus ganz Deutschland reisten sie nach Oberhausen. Viele hatten ihre Eintrittskarte verwahrt. Nun war der Tag gekommen, diese einzusetzen.

IMG_7551Zu lange mussten alle warten. Jetzt, mit einem durchdachten Hygienekonzept, gab es die Möglichkeit, die Sorgen für ein paar Stunden draußen zu lassen und in die Schwarze Welt abzutauchen.

Wer den Veranstalter u.a. auch vom Amphi Festival in Köln kennt, weiß, dass rund um für alles gesorgt ist: Eine breite Band-Auswahl inklusive Aftershow- und Pre-party, reichlich Getränke- und Essensstände in einer eigenen Händlermeile, diverse Merchandiseartikel und genug Rückzugsmöglichkeiten, um bei einem Kaffee zu chillen.

Das Highlight auf der Mainstage im T-Club war für viele das Finale nachts mit Front 242, aber einige, die sich bereits mit Zweite Jugend einstimmten, erklärten diesen Gig für einen gelungenen Start.

Torul, Eisfabrik, (x) – Rx, Solitary Experiments, Hocico und Covenant, jeder einzelne der Künstler überzeugte mit seiner eigenen Art, sich dem ausgehungertem Publikum zu offenbaren und das rauszuhauen, was so lange nicht möglich war.

IMG_7535Auf der 2nd Stage ging es elektronischer und etwas intimer zur Sache. Die Tanzfläche platzte von Anfang bis Ende aus allen Nähten, aber auch hier war durch den Oberrang, für jeden genug Platz, wenn gewünscht, mit Abstand zu Fix8:Sed8, Absurd Minds, Xotox, Intent:Outtake, Chrom (coronabedingt ohne Tom) und Diorama abzufeiern.

Aber was wäre das E-tropolis ohne das entsprechende Publikum: Alle Styles, ob klamottentechnisch, musikalisch oder typmäßig, waren vertreten. Eines hatten alle gemeinsam: Die Zuneigung zur Schwarzen Musik. Jeder hatte dazu beigetragen, ein friedliches, düsteres Erlebnis zu verbringen. Danke!

Sonnenfrau

Bildergalerie: https://flic.kr/s/aHsmX7oiig

 

Ausblick auf 2022:

  • „Bässer, härter, lauter“: – E-tropolis am 24.09. Bereits bestätigt: Faderhead, Leather Strip, Grendel, Winterkälte, Rroyce, Mildreda. Siehe: https://www.etropolis-festival.de

See You Next Year!

 

Konzertsommer im Revier 2021: Unzucht & Schattenmann – Die Magie der Live-Performance

10 Jul

IMG_6494

Die Sonne scheint durch die Ränder des Probst-Zeltes. Es riecht nach Circus, Nebel und Euphorie liegt in der Luft. Viele sind es leid und ausgehungert, so lange durch die Corona-Krise auf Konzerte zu verzichten. Am Freitag, 09. Juli 2021 erleben die Bands Unzucht & Schattenmann ihre erste Live-Performance nach einer ewig anhaltenden Durststrecke. Dies ist kein Online-Streaming, die Magie sich dem weit gereisten Publikum im Revierpark Nienhausen in Gelsenkirchen zu zeigen, ist etwas ganz Besonderes.

Der Veranstalter, u.a. bekannt vom Kulttempel in Oberhausen, der auch langsam, aber sicher wieder seine Discotüren öffnet, hat bereits letztes Jahr alles dafür getan, den Leuten hier coronakonform etwas zu bieten. Heute ist das Ausrasten auf den eigenen Plätzen sogar erwünscht!

IMG_6496Um Punkt 19 Uhr wird das Schattenland durch die Nürnberger Neue Deutsche Härte-Band eröffnet. Keine Raubkatzen oder Elefanten tigern durch die Manege, sondern die vier Schattenmänner, heiß wie Frittenfett. Die Fans rasten von der ersten Minute an aus und genießen die Nähe zu ihren Idolen. Textsicher hängen sie an den Lippen von Frontmann Frank Herzig. Gitarrist Jan Shook und sein Bassist-Bruder LukeIMG_6509 performen im Neon-Licht, als ob sie in der Zwischenzeit nie etwas anderes gemacht hätten. Drummer Nils Kinzig schlägt in vollem Eifer sogar eine Trommel durch, so geht Metal! Chaos pur, ein Hinblick auf das im November erscheinende Album. Es ist viel passiert und dies wird in den Texten ihrer beiden neuen Singles „Choleriker“ und „Cosima“ deutlich. Gesellschaftskritisch wird all das rausgeschrien, was schon längst gesagt werden musste.

Nach einer Umbaupause und kräftigem Anpacken aller Bandmitglieder schlug die Stimmung von schattig auf unzüchtig.

IMG_6514Das hier ist der Platz „Jenseits der Welt“. Ein Ort, an dem ein Konzert gespielt werden durfte. Früher Normalität, heute das erste Mal danach, auch für die Dark Rock-Band Unzucht aus Hannover. Die Stimmung ist sehr schnell wieder auf dem Siedepunkt. Voll lauter Wiedersehensfreude hat ein Mädel der Fanbase den Kreis der Manege mit zig Rosen inklusive Fotos geschmückt. Sichtlich mitgerissen ist das komplette Konzert hindurch eine Symbiose der Besucher und den Musikern zu spüren. Mit einer eigenen Interpretation von der neuen Lord Of The Lost-Single „Judas“ verschwinden die Männer in ihre eigene Hölle.

IMG_6515Manege frei für viele weitere spannende musikalische Hightlights im Konzertsommer im Revier!

Sonnenfrau

Weitere Infos unter: http://www.konzertsommer.eu

Videos:

Schattenmann: https://youtu.be/FSTJ6Zq-gyE

Unzucht: https://youtu.be/gOL0j_lWUJc

Bildergalerie: https://flic.kr/s/aHsmWaCNth

 

Autumn Moon 2019 – das schwarze Herzklopfen

20 Okt

Der Rattenfänger – die Sage von Hameln. Seit fünf Jahren ist die niedersächsische Stadt um ein Aushängeschild reicher, das Autumn Moon. Einmal im Jahr feiert die Schwarze Szene ihr Herbstfestival. Für viele Anhänger der internationalen Gothic-Szene die Gelegenheit, sich in einem familiären Umfeld zu versammeln, trotz der Größe. Auf diese Beschaulichkeit legt der Veranstalter großen Wert.

Vom 18. bis 20. Oktober 2019 konnte man sich ungezwungen treiben lassen, ob bei alt bekannten Bands oder Newcomern, es gab viel zu erleben und entdecken.

Wir starteten Freitagnachmittag auf dem Mystic Halloween Market mit einem Stockbrot in der Hand am Lagerfeuer und einem Ausblick auf die Weser. Für die musikalische Untermalung sorgte Sunfire auf der Mystic Stage. Die Mittelalter-Fans kamen voll auf ihre Kosten. Mit Kind und Kegel konnte hier sogar bis Sonntag ohne Eintrittskarte geschlendert werden.

„Los geht´s in ein langes Festival-Wochenende“, so die Worte von Unzucht auf der Mainstage. Eine Stunde Dark Rock mit statten Metalriffs erwartete die Fans, die vor der Bühne abgingen. Die Rattenfängerhalle war mit Teppichen ausgelegt und so gestaltet, dass es trotz fetter Beats Rückzugsmöglichkeiten gab, z.B. in Sesseln vor der Cocktailbar. Es wurde an alle Altersklassen gedacht. Die düstere Vielseitigkeit kennt halt kein Ablaufdatum!

Kurze Zeit später fanden wir uns bei Peter Wolff auf dem Unterdeck des Schiffes wieder. Elektronische Dark Ambient Klänge in einem mystischem Umfeld. Understatement, sehr interessant!

Ein weiterer, der vier Spielorte, war die Sumpfblume. Bis auf das vorgelagerte Café hatten wir kein Glück: Einlassstopp! Schade, aber verständlich, denn Sicherheit geht vor.

Wir ließen nichts anbrennen und entdeckten Burn, tanzbarer Wave-, Rock-Sound auf der Moon Stage – das Zelt in unmittelbarer Nähe zum romantisch, erleuchteten Marktplatz.

Da wir uns in Hameln befanden, zog es uns schlussendlich immer wieder in die Rattenfängerhalle. Vorbei an den regen Treiben der Merchandise-Stände im Vorraum, spielte drinnen gerade Coma Alliance.

Die obligatorische Umbaupause wurde genutzt, um einen Platz in der ersten Reihe bei Lord Of The Lost zu ergattern. Dann: „I´ve Been Looking For Freedom“…. Wir wissen ja, dass die Jungs stets für Späßchen zu haben sind, aber was soll diese Geschmacksverirrung?! Als Chris Harms um Punkt 22.30h in Strumpfhose und knappen Pants am Mikro steht, ist der Gag mit David Hasselhoff-Pappaufsteller Nebensache. Die Show der eingesprungenen Headliner erwies sich als würdiger Ersatz für SÓLSTAFIR!

Das anschließende Meet & Greet mit diversen Künstlern erinnerte allerdings eher an eine klassische Autogrammstunde, als ein Du und Du mit den Bands…

Wer wollte, versumpfte noch auf der Aftershowparty oder gönnte sich die wohlverdiente Nachtruhe, bereits Samstagmittag ging es weiter.

Nach einem Abstecher bei der Rattenfänger-Statue in der City begann unser zweiter Festivaltag märchenhaft bei Snow White Blood in der taghellen Mondarea.

Da wir gestern alle Locations kennengelernt hatten, fokussierten wir uns auf das Herzstück: Die Halle, in der die Ratten gefangen werden.

Es ging auf eine Reise in die Vergangenheit mit der Gothicband Das Ich (gegründet 1989) und der bekannten Textzeile „Gib mir mein Destillat, gib mir mein Alltagstod, Gib mir mein Gnadenbrot, zur Ewigkeit.“

Goethes Erben erzählten anschließend eine musikalische Geschichte, abgrundtief können sie mit ihren Texten anecken, wenn man sie gedanklich lässt.

Und dann geschah etwas Merkwürdiges: Wir erfuhren Heilung. Ein Wortspiel, was Seinesgleichen sucht. Die Klänge und Laute vergangener Zeiten der Nordic-Ritual-Folk-Band löste eine Art Trance in uns aus. Sehr schräg und definitiv eines unserer Festival-Highlights!

Noch ganz benommen von diesem speziellen Erlebnis ließen wir das schwarze Herzklopfen Dark Electro-mäßig bei Project Pitchfork ausklingen.

Sonnenfrau

Bildergalerie: https://flic.kr/s/aHsmHPxCJW