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HEAVEN & HILL 2015 – Ausrasten trotz Regen

16 Aug

IMG_5957Wir befinden uns in 102 Metern Höhe auf der Halde mit Blick aufs Ruhrgebiet. Genauer gesagt, zwischen Hexenhouse & Heile Welt; die beiden Floors der Veranstalter des HEAVEN & HILL-Festivals. Es ist früher Samstagabend, 15.08.2015, als es plötzlich anfängt heftig zu schütten. Es gibt Leute, die versuchen, irgendwo Unterschlupf zu finden, aber auch einige, die komplett ausrasten. Teilweise mit nackten Oberkörpern reißen sie die Arme in die Höhe, tanzen exzessiv weiter und verlieren sich ganz in der Musik.

Ein großer Teil der ca. 7.000 Besucher hatt sich das Ticket bereits im Vorverkauf besorgt. Für viele vom Niederrhein ist das Festival ein fester Bestandteil im Partykalender und so atmeten alle Beteiligten auf, als es Mitte der Woche das „Go“ gab, trotz des nicht einwandfreien Wetters.

Nacht | Hell startete am Nachmittag, so genau wussten wir nicht, auf was für eine „Himmel- und Bergwanderung“ wir uns da einließen. Im Schweiße des Angesichts oben angekommen, wurden die Gäste mit einem atemberaubenden Blick, vier Stages und 30 Acts belohnt.

Die ersten Klänge, die wir hörten, waren „Meet her at the Loveparade“, das konnte nur Da Hool auf dem Hexenhouse-Floor sein. Hier brannte die Luft, und Niels van Gogh folgte.

Wem es eher nach psychedelischen Klängen und progressiven Trance zumute war, feierte vor der LUNA CLUB & V.i.b.e.z.-STAGE. Unter der bunten Deko trafen sich die Goa-Freunde.

Auf der technoiden Permanent-Stage gab Felix Kröcher bereits ab 16.30 Uhr Vollgas. Ein paar Raver mit einer Holzkatze im Schlepptau hatten hier kurzerhand einen Bartisch als Tanzfläche zweckentfremdet.

Uns war es nach einer „Heilen Welt“ mit Deep- und Tech-House. Inmitten von zwei riesigen Buddha-Köpfen spielte Nico Pusch herzallerliebste Klänge. Einmusik folgte um 19 Uhr mit einem Live-Set, etwas Besonderes hier & heute und definitiv ein Highlight!

Für alle EDM-Freunde waren die Auftritte von Danny Avila und den 2Elements auf der Hexenhouse-Stage die Höhepunkte. Hier ging es nicht nur um kollektives Ausrasten, sonders eins zu sein mit dem Lieblingsact, wenn´s sein musste, auch komplett regendurchtränkt.

So ging es auch Klaudia Gawlas: In Regenjacke manövrierte sie die mit Planen abgedeckten DJ-Decks zur Höchstleistung und die Fans dankten es ihr mit einem Regenrave.

Wir verbrachten die letzten Stunden HEAVEN & HILL in der „Heilen Welt“ bei eher sanfteren Klängen. Viele hatten sich um 20.30 Uhr beim What-I-Player Sascha Braemer versammelt.

Es war dunkel und kalt als Gigolo-Ikone DJ Hell den Berg in eine düstere Hölle verwandelte. Als Einziger spielte er volle zwei Stunden den Sound, der Gegensätze vereint und aus dreckigen Soundfetzen eine „Heile Welt“ zauberte.

Sonnenfrau

Video:

Abschluss DJ Hell: https://youtu.be/3MNNheWg9aA

 

Dortmunder PollerWiesen mit Techno-Papa Sven Väth

25 Mai

Eine einzigartige Aura umgibt Sven Väth, als er um 18 Uhr hinter die frisch geputzen Turntables auf der Mainstage tritt. Junge Leute, die das erste Mal ein Set vom Techno-Papa miterleben wollen und Szenekenner, die Sven seit über 20 Jahren begleiten, haben sich gleichermaßen auf den Dortmunder PollerWiesen versammelt. Ein Junge hält ein selbstgeschriebenes Schild hoch: „Endlich normale Leute“, und hat damit des Pudels Kern getroffen: Dort angekommen zu sein, wo wir alle gerne viel öfters wären. Aber so bleibt es etwas Besonderes!

Seit 22 Jahren gibt es bereits die PollerWiesen. Vor vier Jahren haben sich die Kölner Veranstalter Oliver Hoffmann und Patrick Peiki dazu entschlossen, eine Dortmund-Edition auf die Beine zu stellen und sich dafür eine der schönsten Locations ausgesucht: Den Revierpark Wischlingen. Am Pfingstsonntag, 24.05.2015, war es dann wieder soweit: Der Andrang war groß, denn die vier Bühnen mit ihren verschiedenen Athmosphären versprachen große Freude und viel Tanz. Mit knapp 10.000 Besuchern wurde gerechnet.

Das DJ-Duo JUNGE JUNGE eröffnete um 12 Uhr die Hauptbühne am Hochseilgarten und versprühte direkt einen treibenenden Sound. Mit ihrem Hit „Beautiful Girl“ (Universal Music) beendeten die Newcomer ihr Set und übergaben an MIND AGAINST.

Für uns war es an der Zeit für einen Rundgang durch den weitläufigen Park. Vorbei an Food- und Promotionständen, mit allem was das Herz auf so einem Festival begehrt, ging es zur Hilltop-Stage. Auf der von Kittball gehosteten Bühne trafen wir auf die Dortmunder Fraktion: Ante Perry hatte bereits gespielt, Juliet Sikora freute sich auf das B2B mit P.A.C.O. um 16 Uhr. Jetzt gerade waren zwei Live-Sets angesagt, erst PAJI, gefolgt von EINMUSIK. Im Laufe des Tages haben Dirty Doering aus Berlin, ADANA TWINS aus Hamburg und der Leipziger Lexer ihren Teil zum blumigen Sound beigetragen.

Die holländische VOLTT-Stage lag wieder direkt am See. Für viele Besucher von außerhalb, die durch den Ost-Eingang auf´s Gelände kamen, die erste Anlaufstation. Hier konnte man richtig abgehen oder sich auf dem Steg des Sees ausruhen, jeder nach seiner Façon. Der Hinweis „Bitte achtet auf die Natur“ war angebracht, wurde aber auch so im Sinne aller beachtet. Interessierte Fußgänger beobachteten von der gegenüberliegenden Seite das Spektakel, ein nicht alltäglicher Anblick so eine ravende Meute! Mit Len Faki rechnete man um 20 Uhr.

Die versteckte Hidden-Stage entdeckten wir dann auch noch, Headliner hier war Nico Pusch (WePLAY / MFM-Booking), der in der untergehenden Sonne spielen sollte.

Sonne?! Ja, genau wie im letzten Jahr schlug das Wetter drastisch um und nahm einen positiven Verlauf. Morgens stand man noch vor dem Kleiderschrank und überlegte, welche Jacke man mitnehmen sollte, war diese im weiteren Verlauf völlig überflüssig: Bei angenehmen 22 Grad und super Sonnenschein.

Wenn es an diesem Tag Regen gab, dann nur aus roten Papierschnipseln auf der Mainstage. Konzentriert minimal und technoid spielte dort gerade der Alte Ego-Rocker Roman Flügel, für uns das musikalische Highlight!

Mit Wasserschläuchen wurden die hitzigen Gemüter abgekühlt, denn alle warteten auf das Drei-Stunden-Set von Sven Väth. Freaks, Friends und Macher aus der Szene drängelten sich auf die Bühne, um ganz nah dabei zu sein. Das PollerWiesen-Team bestach durch den Mix aus harter Arbeit und Spaß an der Sache, auch mal mitzufeiern war erlaubt. Verbissene Gesichter suchte man vergebens.

Eine Drohne wurde eingesetzt, um diese speziellen Momente aus der Luft im Bild festzuhalten.

Es war eine Freude, Sven zu beobachten, wieviel Freude es ihm machte, feinsäuberlich die Platten zu sortieren und die Vinyls hochzuhalten. Ein bisschen Wehmut steckte auch darin, erinnerte es doch an gute, alte Zeiten. Cocoon-Häuptling Väth gab sich klar und in sich ruhend. Es scheint, als ob er nun mit seinen 50 Jahren mehr denn je mit sich im Reinen ist. Für ihn hätte es stundenlang so weitergehen können, der Mann hat wie eh und je ein unglaubliches Durchhaltevermögen!

Um 21 Uhr war die Zeit für Marek Hemmann gekommen. Eine knappe Stunde hatte der Berliner noch für sein Live-Set. Man soll ja bekanntlich aufhören, wenn´s am Schönsten ist, aber wenn es so schön ist, fällt der Abschied schon schwer.

Da half nur noch, auf die offizielle Afterhour im Dortmunder Mad-Club zu verweisen. Für die Hartgesottenen sicherlich ein Thema.

Sonnenfrau