Tag Archives: ADANA TWINS

Meuterei der Lausbuben am Alfsee

22 Mai

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Mit Pauken und Trompeten – so stehen sie da, zwölf junge Männer; trommeln und blasen auf ihren Instrumenten was das Zeug hält. Meuterei der Lausbuben oder was hat das Ganze auf sich? Veranstalter Daniel Bruns aus Osnabrück war so mutig, Meute aus Hamburg am Samstag, 21.05.2016 zum Alfsee zu holen und eine Symbiose aus elektronischer Musik und Marschmusik zu bieten und -> es kommt an. Erste Gehversuche in diese Richtung gab es bereits mit Aka Aka feat. Thalstroem bei den Open Airs in Damme und letztes Jahr hier in Rieste. Andersartig, schräg, etwas durchgeknallt, genau wegen dieser Mischung sind die Leute dabei.

Bereits seit 11 Uhr geht´s im Ferien- und Erholungspark soundtechnisch grandios ab mit Frank Kruse & Louis Dinkgrefe, Panik Pop, Alec Troniq & Gabriel Vitel, Lexer und David Keno. Bis auf die Residents sind alle Künstler aus dem Osten der Republik gekommen. Viele Gäste haben sich schon morgens einen Zug geschnappt oder sind im Bus von Feierreisen angereist und früh dabei. Das Wetter spielt mit frühlingshaften Temperaturen ohne Regen mit. Auf eine aufwändige Zeltüberdachung wurde verzichtet.

Was direkt auffällt: Kinderkrankheiten vom letzten Jahr sind ausgemerzt: Der Einlass läuft wesentlich strukturierter, Dank den Jungs von plus2event, die man von Tante Mia und dem Strandfieber kennt. Es gibt reichlich Dixies und das gastronomische Angebot ist groß. Vom Jägermeister-Aussichtsturm hat man einen überragenden Blick auf die feiernde Meute und den kleinen See, der ansonsten für Wasserski bekannt ist. Der größte Chill-out Bereich ist die Wiese selbst. Wer nicht in der Crowd abgehen will, tanzt lässig barfuß im Sand.

Lausbuben-Open-Air-Stammgast Niconé macht auch 2016 wieder einen Zwischenstopp, bis es weiter zum nächsten Gig nach Innsbruck geht. Mit einer Stunde war die Playtime für die DJs knapp bemessen und es geht Schlag auf Schlag mit Adana Twins und Format:B weiter.

IMG_8716Ab 20 Uhr erzählt Bebetta ihre musikalische Märchenstunde. Was soll ich schreiben? Manche Dinge muss man fühlen, dabei sein und sie selbst erleben. Die Wirkung ist sicher bei jedem anders, aber für mich ist es einer der Momente, den man gerne anhalten oder besser einpacken und mit nach Hause nehmen möchte.

Den fulminanten Abschluss feuern dann wieder Dansir & Ricd ab. „Thrill me“ von Junior Jack ist einer der letzten Tracks der Knalltüten. Um Punkt 22 Uhr geht ein Tag, wie ein schöner Traum, viel zu schnell zu Ende.

IMG_8745Die Lausbuben haben dann noch in die Budebums geladen. Unter den Osnabrücker Insidern als Ferner Welten bekannt, öffnet die On-Off-Location heute erstmalig als offizielle Aftershow in der Karlstraße. Hier gehört Lächeln zur Grundausstattung. Nach dem Tag am See und in der Natur muss man sich erst einmal an die stickige Clubluft gewöhnen. Ein rustikales Ambiente gepaart mit niedlichen Details erwarten uns.

Der Berlin-Einschlag der Artists zieht sich auch hier weiter durch´s Programm. Wir freuen uns auf alt bekannte Gesichter, wie die Pornbugs. Man merkt, dass es für die Jungs von Bondage-Music eine Herzensangelegenheit ist, mal wieder in Osnabrück zu spielen. Ein klein wenig Ritter Butzke-Feeling liefert dann zur fortgeschrittenen Stunde Mario Aureo.

Der Besuch des Toilettenwagens draußen mit Radiomusik holt mich dann auf den Boden der Tatsachen zurück. Zeit die Jacke zu holen. Wir beenden unsere Clubnacht mit einem Blick auf den Spruch an der Garderobe: „Säufste-stirbste, Säufste nicht, stirbste ooch, also säufste“. Typisch Lausbuben und stimmt ja auch, irgendwie…

Sonnenfrau

Video: Dansir & Ricd: https://youtu.be/bdeFSlt7900

Dortmunder PollerWiesen mit Techno-Papa Sven Väth

25 Mai

Eine einzigartige Aura umgibt Sven Väth, als er um 18 Uhr hinter die frisch geputzen Turntables auf der Mainstage tritt. Junge Leute, die das erste Mal ein Set vom Techno-Papa miterleben wollen und Szenekenner, die Sven seit über 20 Jahren begleiten, haben sich gleichermaßen auf den Dortmunder PollerWiesen versammelt. Ein Junge hält ein selbstgeschriebenes Schild hoch: „Endlich normale Leute“, und hat damit des Pudels Kern getroffen: Dort angekommen zu sein, wo wir alle gerne viel öfters wären. Aber so bleibt es etwas Besonderes!

Seit 22 Jahren gibt es bereits die PollerWiesen. Vor vier Jahren haben sich die Kölner Veranstalter Oliver Hoffmann und Patrick Peiki dazu entschlossen, eine Dortmund-Edition auf die Beine zu stellen und sich dafür eine der schönsten Locations ausgesucht: Den Revierpark Wischlingen. Am Pfingstsonntag, 24.05.2015, war es dann wieder soweit: Der Andrang war groß, denn die vier Bühnen mit ihren verschiedenen Athmosphären versprachen große Freude und viel Tanz. Mit knapp 10.000 Besuchern wurde gerechnet.

Das DJ-Duo JUNGE JUNGE eröffnete um 12 Uhr die Hauptbühne am Hochseilgarten und versprühte direkt einen treibenenden Sound. Mit ihrem Hit „Beautiful Girl“ (Universal Music) beendeten die Newcomer ihr Set und übergaben an MIND AGAINST.

Für uns war es an der Zeit für einen Rundgang durch den weitläufigen Park. Vorbei an Food- und Promotionständen, mit allem was das Herz auf so einem Festival begehrt, ging es zur Hilltop-Stage. Auf der von Kittball gehosteten Bühne trafen wir auf die Dortmunder Fraktion: Ante Perry hatte bereits gespielt, Juliet Sikora freute sich auf das B2B mit P.A.C.O. um 16 Uhr. Jetzt gerade waren zwei Live-Sets angesagt, erst PAJI, gefolgt von EINMUSIK. Im Laufe des Tages haben Dirty Doering aus Berlin, ADANA TWINS aus Hamburg und der Leipziger Lexer ihren Teil zum blumigen Sound beigetragen.

Die holländische VOLTT-Stage lag wieder direkt am See. Für viele Besucher von außerhalb, die durch den Ost-Eingang auf´s Gelände kamen, die erste Anlaufstation. Hier konnte man richtig abgehen oder sich auf dem Steg des Sees ausruhen, jeder nach seiner Façon. Der Hinweis „Bitte achtet auf die Natur“ war angebracht, wurde aber auch so im Sinne aller beachtet. Interessierte Fußgänger beobachteten von der gegenüberliegenden Seite das Spektakel, ein nicht alltäglicher Anblick so eine ravende Meute! Mit Len Faki rechnete man um 20 Uhr.

Die versteckte Hidden-Stage entdeckten wir dann auch noch, Headliner hier war Nico Pusch (WePLAY / MFM-Booking), der in der untergehenden Sonne spielen sollte.

Sonne?! Ja, genau wie im letzten Jahr schlug das Wetter drastisch um und nahm einen positiven Verlauf. Morgens stand man noch vor dem Kleiderschrank und überlegte, welche Jacke man mitnehmen sollte, war diese im weiteren Verlauf völlig überflüssig: Bei angenehmen 22 Grad und super Sonnenschein.

Wenn es an diesem Tag Regen gab, dann nur aus roten Papierschnipseln auf der Mainstage. Konzentriert minimal und technoid spielte dort gerade der Alte Ego-Rocker Roman Flügel, für uns das musikalische Highlight!

Mit Wasserschläuchen wurden die hitzigen Gemüter abgekühlt, denn alle warteten auf das Drei-Stunden-Set von Sven Väth. Freaks, Friends und Macher aus der Szene drängelten sich auf die Bühne, um ganz nah dabei zu sein. Das PollerWiesen-Team bestach durch den Mix aus harter Arbeit und Spaß an der Sache, auch mal mitzufeiern war erlaubt. Verbissene Gesichter suchte man vergebens.

Eine Drohne wurde eingesetzt, um diese speziellen Momente aus der Luft im Bild festzuhalten.

Es war eine Freude, Sven zu beobachten, wieviel Freude es ihm machte, feinsäuberlich die Platten zu sortieren und die Vinyls hochzuhalten. Ein bisschen Wehmut steckte auch darin, erinnerte es doch an gute, alte Zeiten. Cocoon-Häuptling Väth gab sich klar und in sich ruhend. Es scheint, als ob er nun mit seinen 50 Jahren mehr denn je mit sich im Reinen ist. Für ihn hätte es stundenlang so weitergehen können, der Mann hat wie eh und je ein unglaubliches Durchhaltevermögen!

Um 21 Uhr war die Zeit für Marek Hemmann gekommen. Eine knappe Stunde hatte der Berliner noch für sein Live-Set. Man soll ja bekanntlich aufhören, wenn´s am Schönsten ist, aber wenn es so schön ist, fällt der Abschied schon schwer.

Da half nur noch, auf die offizielle Afterhour im Dortmunder Mad-Club zu verweisen. Für die Hartgesottenen sicherlich ein Thema.

Sonnenfrau