Mount Sims – Der heiße Gigolo

11 Dez

Mount Sims, der mit bürgerlichen Namen Matthew Sims heißt, stammt aus Milwaukee, einer Stadt im Osten der USA. Als Kind wuchs Matthew in einer Musikerfamilie auf, seine Mutter schenkte ihn eine Gitarre und einer seiner Brüder vererbte ihn seine umfassende Plattensammlung mit 500 Vinyls. Mr. Sims spielte in vielen Bands und schon damals waren für ihn die verschiedenen Styles von Rock, über Hardcore-Tech, Techno und Electro-Pop nicht befremdlich, sondern inspirierend.

Er arbeitete mit den Smashing Pumkins, den Smoking Popes und The Promise Ring zusammen. Anfang 2000 zog Mount Sims nach Los Angeles und wurde schnell ein Teil der dortigen Techno-und Electro-Underground-Szene. Er komponierte hier sowohl für die verrückten Modeshows von Ryan Heffington Musik, als auch für den Modedesigner Grant Krajeckie. Mit seiner Musik, die Themen, wie Techno(logie) und Sex vereinigt, knüpft er dort an die postmoderne Umgebung der 80er-Jahre in L.A. an. Er selbst bezeichnet seine Musik als „Technosexual Pop“. Als DJ Hell eine Promo von Mount Sims in die Hände bekam, nahm er das Ex-Model, Freak, Produzent und Showtalent, in seine Gigolo-Familie auf. Wer die heutigen Liveshows von Mount Sims kennt, weiß, warum es heißt, Mount Sims sei nun einer der heißesten und attraktivsten Künstler der amerikanischen Techno-und Electro-Punk-Szene. Er zeigt jetzt mehr als je zuvor, seine sehr eigene Definition von elektronischer Musik, eine großen Mischung aus Sexappeal und gleichzeitiger Romantik. Nachdem Mount Sims 2002 sein Debütalbum „Ultra Sex“ auf Gigolo Records veröffentlicht hat, folgt jetzt endlich sein 2. Album „Wild Light“ (VÖ war 31.01.). “Wild Light” ist wieder ein Mix aus Techno, Electro und Punk, dazugekommen sind Waveelemente und romantische Melodielinien. Mount Sims zeigt hier mit 15 Tracks seine Lust auf Experimente und dem Mut anders zu sein. Auf seiner Album-Release-Tour wurde der heiße Gigolo von seinem Freund Jeremy Dawson begleitet, einer der zur Zeit angesagtesten DJ und Produzenten Amerikas. Zeit für uns, Mount Sims ein wenig näher unter die Lupe zu nehmen:

Dein erstes Album war „Ultra Sex“, erklär uns doch mal die Entwicklung vom Debütalbum zu Deinem neuen Album. Als “Ultra Sex” fertig war, sprachen die Medien über ein neues „Electro Revival“ und das Album bekam sehr viel Aufmerksamkeit. Besonders die gemixten Effekte sind gut angekommen für alle, die gerne elektronische Musik hören. Die Leute haben Electro gehört und dieses Wort hat richtig reingeschlagen. „Ultra Sex“ ist ein Partyalbum und da gibt es einige, die ich am liebsten mag (Blue Day und Escape Hatch). Der Rest war ein Mix aus sarkastischen Songs und Sex.  Lieder, die man nicht ganz so ernst nehmen sollte. Sie sollen einfach zum Tanzen anregen und Verlangen wecken. “Wild Light“ ist dagegen ein persönlicheres Album und zeigt eine andere Seite als „Ultra Sex“. Woher ich komme, wo ich lebe, über Romantik, aber auch über Gewalt.

Was ist in der Zwischenzeit noch so für Dich passiert? Da ist so einiges passiert… Meine damalige Beziehung ist in die Brüche gegangen und dann habe ich jemanden in München kennengelernt und mich verliebt. Jemanden, dem ich meine Gefühle nicht offenbaren konnte, das war eine schwierige Sache. Das Schlimmste war allerdings der Tod meiner Mutter, die mir unwahrscheinlich viel bedeutet hat. Sie war meine beste Freundin und mein Vorbild. Als ich das neue Album geschrieben habe, habe ich darin auch diese Gefühle verarbeitet. Als Mama tot war und dann auch noch meine Beziehung in die Brüche gegangen ist, ist für mich eine Welt eingebrochen. Ich habe mich gefühlt, wie in der Wüste, total leer. Ich fand das Leben einfach grausam. Diese furchtbaren Erfahrungen haben mich für “Wild Light” inspiriert. Zu dem Zeitpunkt habe ich auch ein Buch gelesen “A Season In Hell” von Rimbaud, das mich ein wenig über den Tod getröstet hat, es ging um Wiedergeburt. Es gibt immer eine Hoffnung!

Deine ganze Familie war ja auch sehr musikalisch. Stimmt es, dass Du viele Musikinstrumente spielst? Ja ich kann 20 verschiedene Musikinstrumente spielen, yeah!

Warum interessierst Du Dich gerade so für elektronische Musik? Ich bin mit Kraftwerk aufgewachsen und habe zwischen Chicago (Traxx Records, großartige Housemusik, Frankie Bones) und Detroit (Plastikman, Detroit Tech) gelebt.

Ist es richtig, dass Du früher gemodelt hast? Ja, aber das ist nicht mehr so wichtig, würde ich jetzt auch nicht mehr machen. Bitte die nächste Frage!

Wie ist der Kontakt zu Gigolo Records entstanden? Mit Hell bin ich über´s Internet in Kontakt getreten. Ich habe ihn 3 CDs mit über 80 Songs geschickt und da müssen ihm einige gefallen haben.

Sex ist in Deinen Songs ein großes Thema, ein weiterer Punkt gut zum Gigolo-Image zu passen? Ehrlich gesagt habe ich mir vorher nie Gedanken über die Gigolosache und Sex gemacht. Gigolo ist für mich ein Ort, wo ich Underground leben kann. Bei Gigolo sind viele Künstler, die es nicht überall gibt, halt sehr spezial. Das passt einfach gut.

Zu Deinem neuen Album gab es eine Tour. Mit wem warst Du unterwegs? Die Tour hat größenteils einen riesigen Spaß gemacht. Ich mag es live zu performen. Allerdings gab es auch einige Clubs, die es nicht kannten, mal was anderes als puren Techno zu hören. Zu diesem Zeitpunkt hatten Jeremy und ich auch nicht die sexy Tänzer, das hat mit “Wild Light” auch nichts zu tun. Es ist echt witzig, dass die Leute so auf Tänzer abfahren, selbst zu purem Techno. Ich habe mich selber gefragt, ob sich die Leute wohl wirklich für die Musik interessieren oder für andere Dinge…

Wie waren die Tourstopps in Deutschland für Dich? Wo warst Du? Ein besonderes Erlebnis? Deutschland ist mein Lieblingsland. Die Leute sind sehr gut über die Musik informiert und wissen was gerade so abgeht. Bei meinen Auftritten haben mich die Partypeople gefragt, welche Programme ich benutze, die sind mit sehr viel Aufmerksamkeit dabei. Wir waren in Berlin, München, Düsseldorf… an alles kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich war mit der Person unterwegs, in die ich mich vor 2 Jahren verknallt hatte, bei den Auftritten habe ich ihm bei dem Song „Restless“ immer tief in die Augen geschaut.

Feiern die Deutschen anders, als die Amerikaner? Die Deutschen feiern ehrlicher als die Amerikaner und kennen sich einfach besser mit der Musik aus. Sie sind der elektronischen Musik offen und nehmen neue Sachen an. In Amerika ist alles mainstreamiger, Rock´n Roll ist da immer noch sehr gefragt.

Erzähl uns was über Dein Leben in den USA! Ich schreibe jeden Tag Musik, dann bin ich zufrieden. Ich mache Remixe, produziere und schreibe Texte. Ich lese viel, trinke Tee mit meinen Freunden und spreche mit ihnen darüber, wie groß die Chance ist, dass Bush einen Herzinfakt bekommt. So viel auf Parties gehe ich gar nicht mehr. Ach ja und ich gebe sehr viele E-Mail-Interviews *g*.

Von Deinem neuen Album „Wild Light“ ist der Song „No Yellow Lines“ in vielen Clubs schon rauf und runter gespielt worden. Was sind Deine Lieblingssongs auf „Wild Light“? Wie “No Yellow Lines” sind viele von der Art und Weise. Mein Lieblingssong ist: “Restless”, in dem Lied geht es um Sandro. “Ashes” mag ich auch sehr.

Wie ist der Titel „Wild Light“ entstanden? Mein bester Freund Elad Lassery hat dem Album diesen Namen gegeben. Es handelt von der magischen Kraft und der unkontrollierbaren Natur des Lebens

Warum gab es immer wieder Verzögerungen bis es veröffentlicht wurde? Das weiß ich nicht, ich habe es letztes Jahr im Sommer im Juni produziert.

Gibt es etwas ganz neues, was auf „Wild Light“ zu „Ultra Sex“ neu und ganz anders ist? Ja ich habe Ambient-Musik zum ersten Mal mit reingebracht

Welche Singleauskopplungen sind geplant? “Ashes” wird die nächste Single sein….

Magst Du nur düstere Musik? Nein nicht nur,  ich mag Musik, die Emotionen weckt. Ob abgefuckte Punkmusik, düstere oder fröhliche Musik. Doch wenn es ums Hören geht, mag ich am liebsten leichte Musik, denn um uns herum, ist es manchmal schon düster genug.

Wirst Du auch in Zukunft mit Gigolo zusammenarbeiten? Ich möchte immer mit Gigolo zusammenarbeiten, so lange, wie sie wollen.

Was hast Du Dir persönlich für die Zukunft vorgenommen? Im Mai werde ich nach Berlin ziehen, um mit meiner großen Liebe zusammenzusein und ich werde neue Alben produzieren. Ich habe eine Show geschrieben, welche ich in LA, NYC und vielleicht in Europa performen möchte.  Jetzt schreibe ich schon an den kommenden zwei Alben, eins wird das Follow up zu “Wild Light” sein und das andere ein Minimal Techno-Ambient Album.

(Veröffentlicht im Raveline-Magazin)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: