Märtini Brös – Verliebt in Maschinen

4 Okt

An einem sonnigen Montagnachmittag (26.04.04) trafen wir uns mit DJ Clé und Mike Vamp, die zusammen das Gespann Märtini Brös bilden, im Café Hallmackenreuther in Köln. Die zwei „Jungs aus Berlin“ stellten sich gewohnt lässig unseren Fragen.

Wie seid ihr eigentlich auf euren Namen gekommen? Clé:  Das ist kurz erzählt. Wir haben 1997-98 lose zusammengearbeitet, dann haben wir irgendwann eine Platte zusammen gehabt, und brauchten ganz dringend einen Namen. Mike hatte vorher so ein DJ Projekt, das hieß Märtini Brothers, und da wir sind nie davon ausgegangen sind, dass wir eine sehr lange Zeit als Band zusammen arbeiten, haben wir einfach den Namen abgewandelt in Märtini Brös, das fanden wir eine witzige Idee. Wie das dann so ist, haben wir uns damit identifiziert und die Platte kam auf den erstem Label „4 Elements“ von Steve Bug und dann gab es kein Zurück mehr und wir schleppen uns damit rum.

Warum Märtini und nicht Martini? Clé: Das ist so lange her… (großes Gelächter) Das hätte uns eventuell Schwierigkeiten gebracht (Anmerkung der Redaktion: wegen dem Getränk) Wir haben es von vornherein ausgeschlossen.

Wer ist wer? Clé: Ich bin Clé und 21J. (lach) Mike: Ich bin Mike Vamp. Ich bin 39J. Der Altersunterschied zwischen Clé und mir macht nicht soviel aus, weil Clé älter aussieht, als er tatsächlich ist. Clé: Mike, du bist so entzückend.
Mike: Wie hast du das denn gemacht? Clé: Weil du mich immer so stresst.

Seid Ihr immer so lieb zueinander? Mike&Clé: Immer!

Wie kann man sich das vorstellen, wer singt von euch? Aufgaben beim Live-Set? Clé: Wir sind ziemlich demokratisch, wir singen beide, wir spielen beide Gitarre, wir spielen beide Keyboard, bedienen beide die Sequenzer, live ist das ziemlich 50/50. Im Studio ist es so, dass Mike ein bisschen mehr Herr der Lage ist, was den Computer und die Feinheiten angeht, ich bin eher etwas ungeduldiger. Mike: Clé ist mehr der Herr der Texte. Clé:  Live sind wir allerdings extrem gleichberechtigt.

„Dance like it is okay“. Wie ist euer Hit entstanden? Mike: Wir haben es das erste Mal 2002 in Berlin gehört, dort wurde es rauf und runter gespielt, dann dauerte es erst bis es in die ganze Republik schwappte. Clé:  „Fläsh“ war das Lied davor, dass es überschwappte ist durch die DJs gekommen. Als wir „Dance like it is okay“ gemacht haben, haben wir es für „Bpitch Control“ gemacht, wir haben das als Satire gesehen, wir wollten mal was machen was ein bisschen „over the top“ ist und wir haben uns selber ein bisschen karikiert, ein bisschen übers Ziel hinausschießen, später extrem catchy und disco… Wir haben damals den Nerv der Zeit getroffen. Bei solchen Tracks dauert es lange, sowas wächst halt langsam, das ist deutsch gesungen. Langsam können wir es schon gar nicht mehr spielen (lach)

Mike und Clé sprechen miteinander, dass sie es rockiger machen können und kommen zu dem Schluss es doch wieder zu spielen.

Dann das Lied „The Biggest Fan“. Seid ihr laut eurem Song selbst eure größten Fans?  Mike: Das Lied ist nackt morgens vorm Spiegel entstanden. Das Lied stammt vom ersten Album und da waren wir noch nicht so bekannt und dementsprechend wohl doch unsere größten Fans.

In dem Zusammenhang wie sieht das mit Groupieerfahrungen aus? Mike: Mit dem Lied hat das nichts zu tun, das kam alles erst viel später. Wir haben gemerkt, dass sich die Leute mit den Stücken identifizieren. Die Leute im Publikum singen überraschenderweise auch immer den Text mit und sich dabei total selbst verlieben in dem Augenblick. Es gibt eigentlich nichts Schöneres, als festzustellen, wer man eigentlich ist. „The Biggest Fan“ sollte das Selbstgefühl ein bisschen steigern. Mit Groupies hat das eher nichts zu tun. Wir haben echt eine Menge hübscher Groupies, eher aber hübsche, tolle Fans. Wir haben männliche und weibliche Groupies, ich meine eher Fans. Leute, die gerne mit uns reden, mit uns auseinandersetzen. Es ist für uns immer total wichtig, was die Leute über uns hören.

Bei eurer Live-performance bei Rave on Snow seid ihr danz schön abgegangen. Ist das immer so, mit ausziehen usw.? Clé: Das ist eine Ausnahme. Das ist auf jeden Fall nicht Standart der Show. Das kommt schonmal vor, wenn es heiß her geht, dann kann das schon passieren. Wir sind auf der Bühne nicht wirklich Herr unserer selbst, da können schon kuriose Dinge passieren. Mike: Clé macht sowas äußerst selten und wenn er sowas macht, dann bin ich so überrascht, dass ich komplett zurückstecke und wirklich warte was kommt.

Wie hat euch Rave on Snow gefallen?  Clé: Dieses Mal hat mir das ausgesprochen gut gefallen. Das letzte Mal als wir gespielt hatten, gab es organisatorisch ein paar Probleme, aber dieses Mal war es eine extrem runde Sache. Der Sound war fett, Publikum extrem cool und es gab sogar Schnee einen Tag später. Es hat uns sehr gut gefallen. Mike: Ja das hat wirklich gut geklappt dieses Mal.

Euer neues Album „Love The Machines“ wird im Mai veröffentlicht. Mir gefällt „Chicken Claw“ am Besten, es ist melancholisch und gleichzeitig absolut tanzbar, was für eine Message steckt dahinter? Clé: Wir hatten die Sounds soweit in der Kiste und dachten, da muss unbedingt ein Text her. Musikalisch hat das ja so eine Art Voodoo-Stimmung. Durch diesen reggaeartigen Rhythmus, diese Bassdrum, auch mit der Flöte mittendrin, hatte das sowas leicht Abseitiges. Auf dem Nachhauseweg vom Studio hatte ich mein Handy dabei, da kam mir so ein Text mit der Hohepriesterin und so weiter, die ihre Jünger um sich versammelt hat und zum Tanzen einlädt und so eine Art religiöse Verehrung der Tanzmusik. Man muss das übertragen sehen, die Hohepriesterin ist die Bassdrum. „Lass los, lass dich auf den Rhythmus ein, auch wenn er nicht so gewohnt ist, wie du es sonst kennst.“ Wir sind gespannt, ob Leute das in Clubs spielen. „Gib dich dem Voodoo hin und vertraue dir selbst.“ Mike: Am Anfang haben wir auch die Hühner sehr langlaufen lassen, die Sounds sind sehr extrem. Das ganze Stück hat so eine merkwürdige Wärme und hat als Gegensatz den klirrenden, zerrenden Sound. Voodoo ist das Thema auf jeden Fall.

Freitag Mayday, warum seid Ihr nicht mit dabei wie letztes Jahr? Mike: Schade! Clé: Ja schade, aber wir haben auch andere schöne Festivals.

Ihr macht ja jetzt auch bald eine Albumtour?! Und dann seid ihr auch in Düsseldorf in der Harpune?! Clé: Da war ich auch noch nie und habe gehört, dass soll ganz toll sein. Mike: Das wird auch immens rocken, glaube ich.

Seid Ihr ein Teil des Berlin-Styles?  Clé: Ehrlich gesagt, da halten wir uns extrem raus. Wir kommen aus Berlin, wir haben Style, aber das ist für mich schon wieder so sehr Abgrenzung und Einschränkung, da fühle ich mich extrem unwohl was sowas angeht. Wir sind extrem abwechslungsreich und bewusst an allen Genres vorbei, wir sitzen zwischen den Stühlen und so soll es auch bleiben. Berlin-Style ist mir zu wenig. Das ist jetzt wieder so ein Wort in einem Jahr ist es wieder ein anderes Wort und es geht trotzdem weiter. Mike: Wir sind wie gesagt Styler aus Berlin. Es kommt auch noch dazu, dass dieses Jahr viele Leute nach Berlin kommen, Berlin erlebt momentan einen derartig großen Wandel, man kann gar nicht mehr so vom Berlin-Style reden, weil er sich jede Woche ändert. Es kommen laufend Leute und beeinflussen natürlich das Geschehen in Berlin. Vielleicht waren wir früher mal Berlin Style, so die Art und Weise wie wir aufgelegt haben, sehr eingegrenzt für uns, es gab mal den Frankfurt Style den Berlin Style und den München-Style. Es sind so viele Frankfurter und Münchener in Berlin und warum? Die verändern halt den Style.

Aber als Abschluss kann man sagen, dass dieses verändern und dass man sich nicht festlegen kann, das Berlin-Style euer Style ist? Mike: Wenn dass der Berlin-Style ist, dass der Style sich permanent verändert, dabei aber versucht cool zu bleiben, dann würde ich sagen: „Wir sind Berlin-Style!“.

(Veröffentlicht im Partysan-Magazin)

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